Kritische Reaktionen auf den Gesetzentwurf

Mit Schreiben an die Bundestagsabgeordneten vom 29.6.2016 wendet sich der Ökumenischer Arbeitskreis Ethik und Menschenrecht gegen die Pläne fremdnützige Forschung an Einwilligung.

Der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie , Psychosomatik und Nervenheilkunde warnt  mit Stellungnahme vom 29.6.2016 vor einer überstürzten Neuregelung  (DGPPN). Die DGPPN unterstütze die Bemühungen zu einer Intensivierung der Forschung sehr, die auch die Behandlung und möglicherweise Heilung solcher Erkrankungen und Zustände möglich mache, welche die Selbstbestimmungsfähigkeit einschränken. Gleichzeitig erfordere die Forschung mit nicht-einwilligungsfähigen Patienten immer ein „Höchstmaß an Sorgfalt“ und genauer Einhaltung der Vorschriften, um nicht den unwiderruflichen Verlust des Vertrauens der Betroffenen und einer kritischen Öffentlichkeit zu riskieren. Deshalb sollten die entsprechenden gesetzlichen Regelungen zunächst in einem „breiten gesellschaftlichen Dialog“ diskutiert werden, wie dies zum Beispiel jüngst zum Thema Assistierter Suizid der Fall war, um eine „langfristig tragfähige Lösung“ zu finden.

Auch der Sozialverband VdK warnte vor einer Regelung, die es ermöglichen solle, eine pauschale Zustimmung für Arzneimittelexperimente zu geben, deren genauer Ablauf und möglicher Schaden die Person bei der Abfassung der Patientenverfügung gar nicht abgesehen werden könnten. Damit würde das Recht auf Selbstbestimmung massiv verletzt, so Ulrike Mascher. Schließlich gehe es bei solchen Experimenten nicht um Leben und Tod des hilflosen Patienten und damit um unmittelbar notwendige Entscheidungen, die jemand anderer treffen muss, sondern um einen ungewissen und auch für Angehörige nicht nachvollziehbaren Nutzen. Menschen mit Demenz müssen bis zu ihrer letzten Minute darauf vertrauen können, dass alles Notwendige für ein gutes Leben getan wird. Experimente – mit welch hohem Ziel auch immer –, die sogar potenziell schaden können, müssen deshalb tabu bleiben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.